1979: Hoffnung auf eine volle Kasse…

Wie sehr der Zwangsumzug von der heißgeliebten Sportanlage am Forsthof an den Neusurenland mit dem – man muss es wohl so nennen – Verfall des Post-Sportvereins zu tun hatte, scheint der Bericht der BILD-Zeitung aus dem dem Jahr 1979 zu belegen.
Wie ja bereits in diesem Artikel berichtet, wurde dem Verein mit einem für damalige Verhältnisse tollen Sportanlage der Umzug schmackhaft und so leicht wie möglich gemacht. So richtig heimisch geworden ist der Verein in Farmsen jedoch irgendwie nie. Vielleicht, weil die Trauer über den Verlust der sportlichen Heimat einfach zu groß war. Vielleicht, weil man geglaubt hatte, dass der Verein dennoch alles schadlos überstehen und die Mitglieder wird halten können. Wie auch immer: Fakt ist, dass die meisten Mitglieder den Weg von Barmbek aus Farmen nicht auf sich nehmen wollten. Zwar wies der Bestand beim Umzug noch etwa 2500 Mitglieder auf, was ja ziemlich beachtlich ist, doch hatte man im Verlaufe der Zeit mit der mächtigen Farmsener Konkurrenz zu kämpfen.

Günter Nordheim
Damals Liga-Trainer: Günter Nordheim

Wenig verwunderlich, dass sich das auch auf den Liga-Fußball niederschlug. Einstmals der Vorzeigeclub schlechthin, dümpelte man Ende der 1970er in den Niederungen des Kreisliga-Fußballs herum. Lichtblick dann das Spiel in der 2.Runde des DFB-Pokals (seinerzeit hieß der Länderpokal noch so. Also nix Toto- oder Oddset-Poakl), als man gegen den VfL Stade zu bestehen hatte. Die Stader, mittlerweile beim Niedersächsischen Verband spielend, waren eine Spielzeit zuvor Hamburger Meister geworden und sollten ein wenig Geld in die leere Vereinskasse spielen. Wieviele Zuschauer es letztendlich wurde, ist nicht übermittelt. Auf jeden Fall schlug sich die Post-Elf wacker und verlor am 18.11.1979 nur mit 1:3.
Alle Pokalspiel-Ergebnisse des Post SV Hamburg findet ihr auf dieser Seite.

Hier der Bericht aus der BILD-Zeitung:
Zum Vergrößern einfach draufklicken…

Bild November 1979

 Mein Dank für diesen Zeitungsartikel gilt „Freddy“ Wagner

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This article has 5 Comments

  1. Den Zusammenhang zwischen dem Zwangsumzug nach Farmsen und dem Bankkrott 40 Jahre später, finde ich konstruiert. POST hatte am Neusurenland durchaus neue Möglichkeiten gegenüber dem Barmbeker Standort, u.a. die unmittelbare Nähe zu zwei Schulen. Eine Chance aus der meines Wissens nichts gemacht wurde (keine Kooperation mit den Schulen). Auch wurde es generell vom Verein her verpasst, die Sportangebote an den gesellschaftlichen Wandel anzupassen, wie es jeder andere gesunde Verein getan hat, also Baum/Beine/Po, Qigong, Feldenkrais und was es da nicht so alles gibt.
    Die Funktion der Konstruierung eines ursächlichen Zusammenhang zwischen Zwangsumzug und Bankrott besteht m.E. darin, von eigenen Fehlern abzulenken und bei den „bösen Politikern“ die Schuld zu suchen („Sündenbock“).

    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar. So wie Du schreibst, scheinen Dir ein wenig die geschichtlichen Hintergründe zu fehlen. Diese sind zur Beurteilung der Lages des Vereines bis zu seiner Insolvenz jedoch nicht ganz unwichtig.
      Vorangestellt sei der Hinweis, dass für das Aus des Post-Sportvereins viele, viele Faktoren eine Rolle gespielt haben. Und auch wenn hier und da von unglücklichen Entscheidungen der politisch Verantwortlichen geschrieben wird, bin ich mir sehr wohl bewusst, dass „die Politik“ mit Sicherheit nicht die Alleinschuld trägt. Deshalb konstruiert hier auch niemand irgendetwas, so wie du es darstellst. Als Betreiber dieses Online-Museums und als „alter Postler“ habe ich nie die Behauptung aufgestellt, der Verein trage keine Mitschuld. In dem Artikel „Tschüß, alte Liebe“ (http://www.postsvhamburg.de/das-tragische-ende-eines-traditionsclubs/#more-184) wirst Du beispielsweise die nachfolgenden Worte finden:
      „…Leider ist davon, es mag ein Spiegelbild der Gesellschaft sein, nicht mehr viel von übrig geblieben. Abgesehen von ein paar wenigen Idealisten war der Post SV zuletzt scheinbar zum Scheitern verurteilt. Man hat irgendwie den Anschluss verpasst, zu wenig Engagement gezeigt, viel zu wenig Neues gewagt, eine miserable Mitgliederwerbung und-betreuung gezeigt und – man muss es so knallhart sagen – vielleicht auch einfach nur versagt…“
      Unumstritten ist jedoch, dass manch eine Entscheidung seitens der Stadt oder des Bezirksamtes sehr unglücklich war und in nicht unerheblichem Maße dazu beigetragen hat, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist. Ich werde hier nicht in jede Einzelheit eingehen (können), doch belegen einige mir vorliegende Vereins-Protokolle eindeutig, dass ihm manches Mal ziemlich Übel mitgespielt worden war. Aber wie erwähnt: Auch der Post SV hat zweifelsohne sein Scherflein zu tragen.
      „..die Sportangebote an den gesellschaftlichen Wandel anzupassen, wie es jeder andere gesunde Verein getan hat“, ist natürlich sehr leicht dahergesagt bzw. geschrieben. Zum einen: Was ist ein gesunder Verein? Zum anderen: Wie viele gibt es davon noch?
      Und es klingt dann doch ein wenig nach dem, was das Problem fast aller Sportvereine heutzutage ist: das ewige „man müsste eigentlich“ und „man könnte doch“. Damit ist es nämlich nicht getan. Und damit ist weder eine Abteilung gegründet, noch hat man neue Mitglieder akquiriert. Das erfordert viel Arbeit, viel Fachwissen und noch mehr Engagement. Am letzteren haperte es dann in der jüngsten Vergangenheit des Clubs dann wohl doch. Womit der Post SV allerdings nicht alleine dasteht bzw. dastand. Und so nebenbei: Mit Qigong und Feldenkrais hätte man den Verein sicher auch nicht retten können… ;-)

      Kooperationen mit einer der benachbarten Schulen gab es übrigens. Zum einen im Tennis, zum anderen im Kinderturnen. Das Erstgenannte fiel dann dem immer geringerem Interesse am Tennis zum Opfer, zum Zweitgenannten kann ich nichts sagen.

      Um es kurz zu machen: Der Verein hat(te) nach seinem Zwangsumzug schwer zu kämpfen – das ist Fakt. Man stelle sich vor, beispielsweise der SC Condor verlöre seinen Sportplatz und bekäme in den Walddörfern oder wo auch immer einen neue Anlage. Die wenigsten Mitglieder würden dem Verein folgen und es würde verdammt schwer fallen, in die bestehenden Strukturen einzugreifen und dort neue Mitglieder zu gewinnen.
      Es gab einfach eine Verkettung vieler Fehler und vieler falscher oder merkwürdiger Entscheidungen (der Politik und des Vereines), die summiert dem Verein das Grab geschaufelt haben. Und von eigenen Fehlern ablenken will ich mit Sicherheit nicht – siehe oben.

      1. Als erstes möchte ich einmal sagen, daß ich alter Famrsener und sehr traurig darüber bin, daß es den Post SV nicht mehr gibt. Ich wurde in einer Zeit geboren, als der Post SV bereits in Farmsen ansässig war und für mich deswegen zum “ normalen Stadtbild “ gehörte. Ich war zwar selber nie Mitglied im Post SV, ich war in einem anderen Farmsener Verein im Fußball aktiv, aber die Spiele gegen den Post SV waren natürlich immer Highlights der zu spielenden Saison. Einige Freunde spielten dann beim “ gegner “ und man hatte in der kommenden Woche genug Möglichkeit zum Flachsen oder wurde halt geflachst. Allein schon aus diesem Grund ist es mahr als schade, daß es den Post SV nicht mehr gibt.
        Deswegen werde ich jetzt nicht auf die Zeit, eventuelle Versäumnisse, Suche nach Schuldigen etc. vor oder nach dem Zwangsumzug eingehen. Eines allerdings möchte ich zu dem Thema Mitgliedschaft sagen
        Wir waren mit unserem Sport, American Football, den ich nach meiner “ Fußballkarriere “ betrieb, auf der Suche nach einem neuen Verein. Wir waren bereits eine funktionierende Abteilung mit ca. 150 Mitgliedern, wußten also was uns in Bezug auf Neugründung einer Abteilung in einem Sportverein erwartet, haben gut funktionierende interne Strukturen gehabt und hätten, aus meiner Sicht, problemlos integriert werden können. Selbst die Gefahr, daß wir mit unserem Sport den Rasen übermäßig strapazieren und zerstören würden ( wurde uns ja gerne vorgeworfen, aber es gibt genug gegenteilige Gutachten, selbst von der Uni Göttingen, erstellt vom damaligen Verantwortlichen für Sportplätze beim DFB!!! ) konnten wir widerlegen und boten sogar an, den Rasen zusätzlich und in Absprache mit dem Platzwart zu pflegen.
        Es wurde vom damaligen Präsidium dankend abgelehnt, uns aufzunehmen.
        Nun ist es bezüglich der insolvenz sicherlich nicht ausschlaggebend gewesen, daß das damalige Präsidium so entschied. Wundern tut es mich heute allerdsings immer noch warum man als Sportverein 150 sportwillige nicht aufnehmen möchte.
        Wenn man keine neue Abteilung integrieren möchte, aus welchen Gründen auch immer, spricht sich so etwas natürlich in der Sportszene einer Stadt auch rum. Und dann ist es nicht verwunderlich, daß der Verein dann bei anderen Suchenden gar nicht erst in Erwägung gezogen wird.
        Ich sage das alles absolut wertfrei, liege aber wohl ziemlich in der Mitte der beiden vorherigen Aussagen.

        1. Ich erinnere mich an die Footballer und meine in meinem kleinen Archiv auch irgendwo noch einen Bericht darüber zu haben. Da werde ich natürlich gerne mal nachstöbern .
          Die „Angst“, dass die Footballer einen Fußball-Rasen ramponieren und beschädigen hat(te) der Post SV allerdings nicht exklusiv. So gesehen hat dies sicherlich keinen allzu großen Einfluss auf den Niedergang des Clubs. Denn so ziemlich kein Verein konnte sich sich richtig damit anfreunden, diese Sportart aufzunehmen bzw. ihnen den Platz zur Verfügung zu stellen. Selbst die „Silver Eagles“ – immerhin Bundesligist – mussten irgendwann das Feld im Victoria-Stadio räumen…
          Das die Verantwortlichen des Post SV allerdings wenig Mut hatten (man könnte auch vermuten, wenig Lust…), sich zu verändern und einfach mal was Neues zu machen, steht mich mich allerdings zweifelsfrei fest. Man war einfach zu bequem und hat’s in gewisser Weise ausgesessen. Traurig, aber wohl wahr.

          1. Sehr guter und ausgewogener Artikel. Die Zeiten ändern sich. Als Hamburger lebe ich jetzt in München und sah kürzlich im TV Bayern3 eine Sendung, in der u.a. berichtet wurde, dass ein Junge nicht in einen Fußballverein aufgenommen wurde, weil er angeblich „unbegabt“ sei. Der junge Trainer, Typ Rotzlöffel, sagte in die Kamera, dass Fußball Leustingssport sei und man gewisse Voraussetzungen haben müsse. Welche er hat, war nicht zu erfahren. Solch ein Verhalten ist für mich nicht nachvollziehbar.
            Schade, um den Post SV. Ich wollte eigentlich nur nachsehen, wo der Verein jetzt spielt und traf dann auf diese gut aufge,machte Seite!

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